Obélisque Baroque Digital - Portfolio Image.

Der Obélisque Baroque Digital

Entstanden ist der Obélisque baroque digital im Rahmen meiner Masterarbeit an der USTP St. Pölten, eingebettet in das interdisziplinäre Projekt GöttwAIg – Wunderkammer(21), eine Kooperation mit der Universität für Weiterbildung Krems, dem Verein KunstDruck und dem Benediktinerstift Göttweig, in dessen barocker Wunderkammer das Werk seinen Platz findet – einem Ort, an dem seit jeher nicht nur Wunder der Natur, sondern auch stille Mahnungen an die eigene Vergänglichkeit gesammelt wurden. Am Anfang stand eine Frage, die mich schon seit Jahren begleitet: Was ist es, das am Ende übrigbleibt? Oder anders gefragt: Wie lange halten die Dinge wirklich, denen wir tagtäglich unsere Daten und mitunter unsere wertvollsten Erinnerungen anvertrauen – Bilder auf einem USB-Stick, Archive auf einem Server irgendwo in einer Cloud – dessen genauen Standort wir nicht kennen?

Aus dieser Frage heraus entwickelte sich das Kernstück meiner Arbeit – ein aus PLA-Kunststoff gedruckter Obelisk mit vergoldetem Etikett – ein Kokettieren mit der Ewigkeit, mit den aus Menschenhand geschaffenen ältesten uns bekannten Objekten – in dessen Oberfläche Symbole aus der Gegenwart eingraviert wurden, mit deren Entschlüsselung zukünftige Generationen sich beschäftigen dürfen. Dieses physisch vorhandene Exemplar verweist mittels QR-Codes auf sein digitales Ebenbild. Dieses von mir in vvvv programmierte, off-chain gehostete Pendant zerfällt während der gesamten Ausstellungsdauer vor den Augen der Betrachtenden zu Staub – ein Memento mori, das Unsterblichkeit behauptet und sich dabei doch fortwährend auflöst.

Der eigentliche Wendepunkt erschloss sich mir aber erst in der Umkehrung, die dieser Konstruktion zugrunde liegt: Denn das 3D-gedruckte Gegenstück, das sich als biologisch abbaubar ausgibt, wird uns als toxisches Mikroplastik um Jahrhunderte überleben. Auch der darin eingravierte QR-Code gehört zu dieser Lüge, dieser doppelten Lüge: verstummt er doch genau in jenem Moment, in dem Server, Kamera, Strom oder Dechiffrierprogramme einmal fehlen.

Diese Unauflösbarkeit wollte ich nicht auflösen, sondern bewusst stehen lassen. Der Obélisque baroque digital will daher weniger eine Antwort geben, als vielmehr Interpretationsspielraum offen lassen – ein Innehalten vor der Frage, was am Ende übrigbleibt.

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